Akku‑Probleme sind eines der häufigsten Ärgernisse bei Laptops. Als jemand, der ständig Hardware testet, sehe ich immer wieder dieselben Fragen: Wie lange hält der Akku noch? Wird er in zwei Jahren noch funktionieren? Oder sollte ich vorsorglich schon jetzt nach Ersatz suchen? Akkus altern, das ist normal — aber mit ein paar einfachen Tests kannst du ziemlich gut einschätzen, ob dein Laptop‑Akku in naher Zukunft den Geist aufgibt oder noch eine Weile durchhält. Ich zeige dir fünf praktische Tests, die du selbst durchführen kannst, und erkläre, wie du die Ergebnisse interpretierst.
Vorbereitung: Was du brauchst
Bevor du loslegst, brauchst du ein paar Dinge:
- Einen voll aufgeladenen Laptop (oder lade ihn erst vollständig auf).
- Zugriff auf Betriebssystem‑Tools: Windows (PowerShell/Command Prompt), macOS (Systeminformationen), Linux (upower/ACPI).
- Optional: Tools wie BatteryInfoView oder HWInfo unter Windows, coconutBattery unter macOS, upower und tlp unter Linux.
- Ein Stopwatch/Timer für Messungen der Laufzeit.
- Optional: Multimeter und ein externes Ladegerät, wenn du Spannungen extra messen willst.
Test 1 — Gesundheitscheck: Ladezyklen und maximale Kapazität
Der erste und wichtigste Test ist der Blick auf die Ladezyklen und die Design‑ vs. aktuelle Kapazität. Moderne Lithium‑Ion‑Akkus verlieren mit der Zeit Kapazität; Hersteller geben oft eine Lebensdauer von 300–1000 Zyklen an.
So gehst du vor:
- Windows: Öffne eine PowerShell und generiere einen Batteriebericht mit
powercfg /batteryreport /output "%USERPROFILE%\\battery.html". Öffne die erzeugte HTML‑Datei und schaue unter "Installed batteries". - macOS: Öffne "Über diesen Mac" → Systembericht → Stromversorgung, oder nutze coconutBattery für detaillierte Werte („Full Charge Capacity“ vs. „Design Capacity“ und die Anzahl der Ladezyklen).
- Linux:
upower -i /org/freedesktop/UPower/devices/battery_BAT0liefert ähnliche Infos.
Interpretation: Wenn die aktuelle maximale Kapazität unter ~70–80% der Design‑Kapazität liegt oder die Zyklenzahl nahe der Herstellerspezifikation ist (z. B. 500 Zyklen), ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass der Akku innerhalb von zwei Jahren weiter merklich nachlässt oder ausfällt. Unter 60% ist ein Austausch sehr wahrscheinlich empfehlenswert.
Test 2 — Laufzeit‑Stress: Realistische Entladungsmessung
Ein Praxis‑Test zeigt dir, ob die verbliebene Kapazität noch deinen Alltag abdeckt. Dafür simuliere ich typische Nutzungsszenarien:
- Lade den Akku auf 100% und stelle die Energieoptionen auf "Ausbalanciert" (oder deinen normalen Modus).
- Stelle Bildschirmhelligkeit auf einen typischen Wert (z. B. 50%).
- Starte einen Stress‑Task: Videostreaming (YouTube/Netflix in FullHD) im Browser oder ein Benchmark (z. B. PCMark, Cinebench loop) für intensivere Last.
- Miss die Zeit bis 20% Restladung (oder bis 0% wenn du es genau wissen willst).
Interpretation: Vergleiche die gemessene Laufzeit mit früheren Werten (falls du sie hast) oder mit typischen Erwartungen für dein Modell. Wenn die Laufzeit deutlich unter dem liegt, was das Modell neu schafft (z. B. 50% oder weniger), dann deutet das auf einen stark gealterten Akku hin. Halte Ausschau nach unregelmässigen Entladekurven — starke Sprünge können auf Zellenprobleme hindeuten.
Test 3 — Kapazitätsbestätigung via vollständige Entladung und Aufladung (Kalibrierung)
Manchmal liegt das Problem nicht am Akku selbst, sondern an der Ladeelektronik, die den Ladezustand falsch anzeigt. Eine Kalibrierung schafft Klarheit:
- Lade auf 100% und lasse das Gerät mindestens zwei Stunden am Netz, damit die Anzeige stabil wird.
- Trenne das Netz und entlade den Akku vollständig bis das Gerät sich ausschaltet (oder bis 5%).
- Lade anschließend ohne Unterbrechung auf 100%.
Interpretation: Wenn danach die geschätzte Restkapazität wieder realistischer aussieht und Laufzeiten besser werden, war wahrscheinlich nur die Anzeige kalibriert. Bleibt das Problem, ist es eher ein physischer Kapazitätsverlust.
Test 4 — Entladeprofil und Spannungsprüfung
Ein genauerer Blick auf die Spannung zeigt, ob Zellen ungleich altern. Dafür kannst du entweder Software‑Logs nutzen oder mit einem Multimeter die Spannung an den Akku‑Kontakten messen (vorsichtig arbeiten):
- Nutze Tools wie HWInfo oder die Batterie‑Logs des Betriebssystems, um die Spannungskurve während der Entladung zu beobachten.
- Bei Multimeter‑Messungen: Miss die Gesamtspannung und (falls zugänglich) einzelne Zellen. Achtung: Garantieverlust und Risiko — nur wenn du weißt, was du tust.
Interpretation: Eine gesunde Batterie zeigt eine relativ gleichmäßige, langsam fallende Spannungskurve. Plötzliche Einbrüche oder sehr niedrige Ruhespannungen können ausgefallene Zellen oder BMS‑Probleme (Battery Management System) signalisieren. Wenn einzelne Zellen deutlich abweichen, ist ein Austausch dringend zu empfehlen.
Test 5 — Temperatur‑Verhalten und Schnellladetests
Temperatur ist einer der Hauptfaktoren für Akku‑Alterung. Beobachte dein Gerät beim Laden und unter Last:
- Miss die Oberflächentemperatur am Akku‑Bereich mit einer Infrarot‑Pistole oder spüre sie einfach mit der Hand (vorsichtig!).
- Teste schnelles Laden (falls dein Laptop das unterstützt) und beobachte, ob die Temperatur übermäßig hoch steigt (>45–50 °C ist problematisch).
- Achte außerdem auf ungewöhnliche Ladegeräusche, Gerüche oder Blähungen — das sind klare Warnsignale.
Interpretation: Ein Akku, der beim normalen Laden sehr heiß wird, altert schneller und kann ein Sicherheitsrisiko darstellen. Wenn Hitze mit Kapazitätsverlust einhergeht, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass der Akku innerhalb kurzer Zeit ausfallen wird.
Praktische Hinweise und Schnellcheck‑Tabelle
Hier ein schnelles Entscheidungsraster, das ich bei Tests verwende:
| Messwert | Gut | Warnung | Kritisch |
|---|---|---|---|
| Max. Kapazität vs. Design | > 80% | 60–80% | < 60% |
| Ladezyklen | Weit unter Herstellergrenze | Nahe Herstellergrenze | Über Herstellergrenze |
| Laufzeit (gegen Erwartung) | ~Neu‑Wert | Deutlich geringer | Weniger als 50% des Neuzustands |
| Temperatur beim Laden | < 40 °C | 40–50 °C | > 50 °C oder Blähung |
| Spannungsprofil | Konstant/linear | Leichte Einbrüche | Starke Schwankungen/Einbrüche |
Wenn mehrere Felder in der Warnung/Kritisch‑Spalte auftauchen, ist ein Austausch in den nächsten Monaten bis zwei Jahren sehr wahrscheinlich. Bei gemischten Ergebnissen rate ich, den Akku weiter zu beobachten und regelmäßige Tests (alle 3–6 Monate) zu wiederholen.
Wenn du möchtest, kann ich dir helfen, die Werte deines eigenen Laptops zu interpretieren — poste die Ausgaben aus powercfg /batteryreport (Windows) oder die Angaben aus coconutBattery/Systembericht (macOS) und ich werfe einen Blick darauf.