Beim Prototyping von KI-Modellen steht oft nicht die maximale Performance, sondern die richtige Balance aus Preis, Latenz und Nutzererfahrung im Vordergrund. In den letzten Jahren habe ich mehrere Prototypen für verschiedene Projekte gebaut — von Klassifikations-APIs bis zu multimodalen Demo-Apps — und dabei eine Menge über versteckte Kosten, realistische Latenzmessungen und Leistungsfallen gelernt. In diesem Artikel teile ich meine Checkliste und Praxis-Tipps, wie du die günstigste Cloud‑KI für dein Prototyping findest, ohne am Ende von Rechnungen überrascht zu werden.
Was ich unter „günstig“ verstehe
„Günstig“ heißt für mich nicht nur niedriger Stundenpreis. Es bedeutet: kosten-effizient in Bezug auf Entwicklerzeit, Iterationsgeschwindigkeit, Nutzererfahrung und langfristige Skalierbarkeit. Ein billiger VM‑Stundenpreis kann sich schnell in teure Experimente verwandeln, wenn die Latenz hoch ist oder Datentransferkosten explodieren.
Worauf ich zuerst schaue
- Preisstruktur: Pay-as-you-go vs. Reserved vs. Spot/Preemptible—und ob es Mindestgebühren gibt.
- Latenz: Round-Trip-Latenz inklusive Netzwerk, nicht nur Inferenzzeit im Log.
- Durchsatz: Wie viele Anfragen pro Sekunde kannst du realistisch abarbeiten?
- Start‑/Warm‑Up‑Kosten: Cold starts bei serverlosen Modellen oder langsames Laden großer Modelle.
- Datentransfer & Speicherung: Kosten für Upload/Download, Datenhaltung und Modell‑Snapshots.
- SDKs & Integrationen: Spart Entwicklungszeit und reduziert Fehlerquellen?
- Sichtbarkeit der Kosten: Detaillierte Billing‑Reports helfen bei der Prognose.
Typische Anbieter und ihre Stärken
Ich vergleiche hier kurz einige populäre Optionen, die ich bei Prototypen genutzt habe:
- AWS (SageMaker, Lambda, EC2) – sehr flexibel, viele Instanztypen, aber Billing kann komplex werden; Datenübertragungen zwischen Services kosten oft extra.
- Google Cloud (Vertex AI, Cloud Run) – guter ML‑Stack, oft günstigere GPU‑Preise und gute Auto-Scaling-Optionen.
- Azure (Azure ML, Functions) – stark in Enterprise‑Integrationen; Preise variieren nach Region.
- OpenAI, Anthropic, Cohere – API‑basiert, schnell startklar, aber meist höhere Kosten pro Anfrage und weniger Flexibilität für eigene Modelle.
- Stability AI, Replicate, Hugging Face Inference – gute Balance für schnelle Prototypen mit offenen Modellen; oft günstigere Preise bei Batch-Inferenz.
- Smaller VPS/GPU-Provider (Vast.ai, Paperspace) – manchmal günstiger für reine Trainings-/Inferenz-VMs, aber mehr DIY beim Ops-Teil.
Messmethodik: Wie ich Latenz und Kosten testweise bewerte
Bei jedem neuen Anbieter führe ich dieselben Tests durch, um vergleichbare Daten zu bekommen:
- Deployment eines kleinen Endpoints mit Beispielmodell (z. B. DistilBERT oder ein kleiner ViT).
- 30-minütiger Warm‑up mit einer repräsentativen Anfrageverteilung.
- Messung: Median, P95 und P99 Latenz sowie Durchsatz (RPS) unter Lasttests (z. B. k6 oder wrk).
- Kalkulation der Kosten pro 1.000 Anfragen basierend auf beobachtetem Ressourcenverbrauch.
- Berücksichtigung von Speicher- und Datentransferkosten bei Persistenz oder großen Payloads.
Beispiel-Tabelle: Realkosten-Vergleich (fiktive Werte als Richtwert)
| Anbieter | Instanz / Typ | Stundenpreis | Median Latenz | Kosten / 1.000 Req |
|---|---|---|---|---|
| AWS SageMaker | ml.g4dn.xlarge (GPU) | 0,75 € | 120 ms | 3,50 € |
| Google Vertex AI | n1-standard + T4 | 0,60 € | 110 ms | 2,80 € |
| Hugging Face Inference | Small CPU | 0,15 € | 250 ms | 1,20 € |
| OpenAI API | API (gpt-3.5 style) | — (per Req) | 80 ms | 4,00 € |
Hinweis: Die Zahlen sind illustrative Beispiele; für echte Entscheidungen solltest du eigene Benchmarks laufen lassen.
Versteckte Kosten, die ich immer berücksichtige
- Netzwerk: Ingress ist oft günstig, egress (aus der Cloud heraus) ist teuer. Gerade Medien‑ oder Log‑Ausgaben können Kosten treiben.
- Monitoring & Logging: Tools wie Datadog, CloudWatch oder Stackdriver generieren schnell Gebühren bei hoher Log‑Auflösung.
- Speicher‑Snapshots & Backups: Modell-Checkpoints und Datensets belegen Platz — S3/Blob-Storage kostet.
- API‑Overheads: Bei API‑Anbietern können Token‑Zählungen oder zusätzliche Features (z. B. Moderation) extra berechnet werden.
- Entwicklerzeit: Komplexe Provider-APIs oder fehlende SDKs verlängern die Time-to-Prototype.
- Ausfall/Preemption: Spot‑Instanzen sind günstig, aber Preemptions kosten Re‑Training‑Zeit.
Optimierungsstrategien, die bei Prototypen wirklich helfen
- Batching statt Einzelanfragen: Reduziert Overhead und Kosten pro Anfrage, wo Latzenzanforderungen es zulassen.
- Quantisierung & Distillation: Kleinere Modelle sind oft ausreichend und dramatisch günstiger in der Inferenz.
- Edge Caching: Für wiederkehrende Anfragen Ergebnisse im Cache halten (Redis/CDN) spart in der Cloud teure Inferenzcalls.
- Hybrid‑Ansatz: Schnelle, teurere API für UX‑kritische Pfade + günstige Batch-Backends für weniger dringende Aufgaben.
- Regionale Auswahl: Günstigere Regionen und Nähe zu deinen Nutzer:innen reduzieren Latenz und Kosten.
Praxisbeispiel: Wie ich vorgehe bei einem neuen Prototyp
Wenn ich ein neues Prototyp-Projekt starte, mache ich folgendes in den ersten 48 Stunden:
- Deploy eines einfachen Endpoints bei zwei Anbietern (z. B. Hugging Face + Google Cloud) mit dem gleichen Modell.
- Führe Loadtests mit realistischen JSON‑Payloads durch.
- Vergleiche Kosten pro 1.000 Requests und P95/P99 Latenzen.
- Wähle die Option, die beste Entwicklerproduktivität mit akzeptabler Latenz vereint. Oft ist das ein Managed-Inference-Service, wenn Time-to-Market zählt.
Tipps zur Kostenschätzung und Vermeidung teurer Überraschungen
- Nutze Kosten‑Alarme und Budgetgrenzen in der Cloud-Konsole.
- Aktiviere detailliertes Billing und exportiere es in BigQuery/CSV zur Analyse.
- Simuliere erwarteten Traffic und berechne Worst‑Case‑Monate.
- Berücksichtige Entwickler‑ und Wartungszeit in deiner „TCO“-Rechnung — oft unterschätzt.
Beim Prototyping geht es meiner Erfahrung nach weniger um die eine „günstigste“ Plattform, sondern darum, die richtige Kombination aus Entwicklerfreundlichkeit, transparenter Preisstruktur und realistischen Latenzzielen zu finden. Wenn du möchtest, kann ich dir helfen, anhand deines konkreten Use‑Cases (Payload‑Größe, erwartete RPS, Latenz-Toleranz) eine schnelle Kostenabschätzung für 3 Anbieter zu erstellen — schick mir einfach die Eckdaten.