Als Autorin, die sich seit Jahren mit KI, Bildgenerierung und Datenschutz beschäftigt, habe ich mir die Frage gestellt: Kann Midjourney Texte von deinen Fotos rekonstruieren? Hinter dieser scheinbar simplen Frage verbergen sich technische, rechtliche und praktische Aspekte, die für Creator, Journalistinnen und private Nutzerinnen gleichermaßen relevant sind. In diesem Artikel erkläre ich, wie Midjourney und ähnliche Dienste mit Bildern umgehen, welche Risiken bestehen und wie man sich schützen kann.
Wie Midjourney Bilder verarbeitet — kurz technisch erklärt
Midjourney ist ein auf Diffusionsmodellen basierender Bildgenerator, der in erster Linie darauf trainiert wurde, aus Text-Prompts neue Bilder zu erstellen. Anders als spezialisierte OCR-Tools (Optical Character Recognition) ist Midjourney nicht primär dafür gebaut, Text in Bildern zu extrahieren. Dennoch:
Das bedeutet: Midjourney ist schlecht geeignet, um akkurat und zuverlässig konkrete Worte aus einem spezifischen Foto zu rekonstruieren. Es kann aber sehr wohl textähnliche Artefakte erzeugen, die Wörter oder Logos nachahmen.
Können Bilder, die du hochlädst, für Rekonstruktion verwendet werden?
Viele Nutzerinnen befürchten, dass ein Dienst wie Midjourney hochgeladene Bilder "einlagert" und daraus Daten oder sogar Texte extrahiert, die später anderen Nutzern zugänglich gemacht werden. Hier sind die praktischen Punkte, die ich wichtig finde:
In der Praxis: Ein einzelnes Foto enthält nicht genug Signal, damit Midjourney präzise den enthaltenen Text rekonstruiert wie ein OCR. Aber in Kombination mit großen Mengen ähnlicher Bilder oder wenn das gleiche Bild mehrfach und an vielen Orten auftaucht, steigt das Risiko, dass textuelle Inhalte indirekt reproduzierbar werden.
Was bedeutet das für Creator (z. B. Fotografen, Designer)?
Als Creator habe ich zwei Hauptbedenken:
Deshalb empfehle ich Creatorn:
Was bedeutet das für Privatpersonen?
Für nicht-öffentlich geteilte Fotos (Familienbilder, Dokumente) ist die größte Sorge nicht, dass Midjourney exakt Text rekonstruiert, sondern dass sensible Informationen in irgendeiner Form extrahiert oder weiterverwendet werden.
Praktische Tests und Grenzen
Ich habe in eigenen Tests festgestellt, dass generative Modelle zwar plausible Textfragmente erzeugen können (z. B. Nachahmung einer typischen Magazin-Headline), aber sie sind meist fehlerhaft: Buchstaben vertauscht, grammatische Ungenauigkeiten, oder „Gibberish“-Schrift bei kleinen Details. Exakte, zeichengetreue OCR-Rekonstruktion bleibt spezialisierter Software vorbehalten — Tesseract, Google Vision oder Abbyy liefern hier deutlich robustere Ergebnisse.
Risiko-Tabelle: Was kann passieren — und wie man es mindert
| Risiko | Wahrscheinlichkeit | Auswirkung | Gegenmaßnahme |
|---|---|---|---|
| Exakte Text-Rekonstruktion von Dokumenten | Gering | Hoch (Datenschutzverletzung) | Nicht hochladen; OCR-sensible Daten entfernen |
| Stil- oder Logo-Imitation | Moderat | Moderate bis hohe rechtliche/rufschädigende Folgen | Wasserzeichen, Markenregistrierung, Monitoring |
| Metadaten-Leak (EXIF/GPS) | Moderat | Privatsphäre-Risiken | EXIF entfernen vor Upload |
Was Plattformen und Regulierungen sagen
Die meisten Anbieter haben inzwischen Richtlinien, die Nutzer-Uploads und deren mögliche Verwendung regeln. Midjourney beispielsweise hat seine Terms of Service mehrfach angepasst und bietet je nach Plan unterschiedliche Privatsphäre-Optionen. Trotzdem sind die Regelungen komplex und ändern sich häufig — ein Grund, warum ich immer empfehle, die aktuell gültigen Richtlinien zu lesen.
Auf regulatorischer Ebene bringt die EU-KI-Verordnung (EU AI Act) neue Anforderungen an Transparenz. Das bedeutet langfristig mehr Rechte für Betroffene, zum Beispiel das Recht zu erfahren, ob ihre Daten in Trainingssets verwendet wurden. Bis diese Regelungen vollständig greifen, liegt die Verantwortung oft bei den Nutzerinnen und den Plattformen selbst.
Konkrete Schutzmaßnahmen — meine Checkliste
Meine Erfahrung zeigt: Die Angst, dass Midjourney exakt und zuverlässig jeden Text aus einem Foto rekonstruiert, ist übertrieben. Aber die Sorge ist nicht unbegründet, weil generative Modelle Muster reproduzieren können und weil Uploads Metadaten enthalten. Für Creator und Privatpersonen heißt das: wachsam bleiben, technische und organisatorische Maßnahmen ergreifen und die Entwicklungen beobachten.